Huhu Julia,
hm, mit den "eventuell sich aus dem Beruf zurück zu ziehen wegen Familie" hast Du auf der einen Seite zwar schon recht, aber auf der anderen Seite wird es Frauen, die berufstätig sein wollen , enorm schwer gemacht. Vor allem denjenigen , die Vollzeit gehen wollen.
Mutterschutz ist ja nur 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Entbindung ( bzw dem errechnetem Geburtstermin). Welche Alternativen ausser Rückzug/Erziehungsurlaub gibt es denn für Mütter,die arbeiten wollen?! Nicht wirklich realisierbare.
Morgens um 6 Uhr und abends bis 23 Uhr gibt es nicht viele Krippenplätze, die geöffnet haben.Und wenn man dann einen Platz hat, dann hat dieser wahrscheinlich noch Nachteile für einen selbst, zB nur bis 14 Uhr geöffnet, nur an Werktagen ( was ist mit Frauen, die am Wochenende ihrem Job nachgehen wollen wie zB medizinisches Personal), nicht flexibel verbindbar mit den unterschiedlichsten Schichtsystemen.
Seien wir doch mal ehrlich, die Kinderbetreuung ist doch wirklich nur auf "von morgens um 8 bis mittags um 12( mit Sonderstunde bis 13) " beschränkt. Alles weitere, was man tatsächlich braucht, wie zB Nachmittagsbetreuung, Mittagessen etc muss man alles extra bezahlen.
Wo wir damit beim nächsten Thema wären.Die Frage stellt sich dann meist zwangsläufig: Bleibt dann noch was vom Geld übrig?!Oder ist es lukrativer, als Mutter zu Hause zu bleiben und Erziehungsurlaub zu nehmen?!Und sich nur aufs Kind zu konzentrieren?!
Natürlich würde ich es begrüßen, wenn es mehr Frauen in Führungsriegen gibt, aber das per Quote oder Gesetz zu erzwingen, ist doch nicht das Gelbe vom Ei.
Und ich würde auch nicht gerne vorgestellt werden mit: das ist Frau G. unsere Quotenvorstandsmitarbeiterin
Bewerbung unkenntlich machen?! Keine tolle Idee. Auch wenn es dann dafür sorgen würde, dass es nur nach Qualität geht.
Aber stellen wir uns doch einmal vor:Herr X hat ein Restaurant. Herr X sucht Personal in der Bedienung, also direkten Kundenkontakt. Herr X bekommt anonymisierte Bewerbungen und sucht rein nach der Qualität aus.Am nächsten Tag wirst Du von jemandem bedient, der ungepflegte Zähne, abgefressene Fingernägel etc hat. Das kann nicht im Sinn eines Geschäftsmannes wie Herrn X liegen. Herr X hat damit enorm viel Zeit und Geld verschwendet. All das hätte er schon im Vorfeld mit Sichtung des Lichtbildes als ad acta erledigt ansehen können.
Und so ist es bei allem, was mit Kundenkontakt zu tun hat.
Was im Büro ist, da spielt zB die Gepflegtheit eine untergeordnete Rolle, da stört es einen auch nicht wirklich, wenn der Neue den Mund aufmacht und nur faulige Stümpfe zum Vorschein kommen. Und in einer Autowerkstatt interessiert es mich auch nicht, wenn der Mechaniker ungepflegte Finger hat.
Und somit wäre es für jeden Arbeitgeber ein enormer Zeitaufwand, unzählige und vor allem unnütze Bewerbungstermine ab zu sprechen, um dann völlig geschockt dem Bewerber mit zu teilen,d ass er dann doch nicht geeignet wäre.
Nicht einfach.
Also wenn ich Chef wäre, wäre für mich sowieso das Auftreten und die Optik in erster Linie entscheidend. Wenn jemand, der in einer Bank arbeiten möchte, ein Bewerbungsfoto schickt, wo er in Luffi-Schluffi-Klamotten zu sehen ist, der würde von mir absolut keine Einladung bekommen, auch wenn seine Zensuren top wären. Sorry, der oder die nimmt das dann nicht ernst genug. Dann doch lieber jemanden nehmen, dessen Noten nicht so toll sind, der aber weiß, dass es in diesem Fall auch auf ein gepflegtes Äusseres ankommt. Und solch eine Selektion kann man halt nur machen, wenn die Bewerbung mit Lichtbild verschickt wird.Ansonsten würden die, deren Noten nicht prickelnd sind dafür aber andere Qualitäten haben( zB strahlendes Lächeln, Lebendigkeit etc) doch durchs Raster fallen.Das ist die Kehrseite der anonymisierten Bewerbungen.
Und in Deutschland sind die Jobs, in denen eher körperlich gearbeitet wird, sowieso rückläufig. Also wird sowieso vermehrt Augenmerk aufs Optische gerichtet.
Und was sollen schulisch grottenschlechte Jugendliche denn machen? Junges Mädchen, zB möchte Friseurin werden, hat die Schule nie ernst genommen, aber eine absolute Begabung fürs Haareschneiden und Färebn. Wer würde ihr denn aufgrund ihres 5er Zeugnis eine Chance geben auf ein Bewerbungsgespräch? Niemand! Wenn sie jedoch optisch schon den Eindruck macht, dass sie sich dafür interessiert, steigen ihre Chancen deutlich.
Alles echt nicht einfach
LG Steffi