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Totostina

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1

Sonntag, 3. Oktober 2010, 19:15

An Domino,meinen Sohn und wen es noch interessiert....

Huhu Domino

Ja jetzt so aus dem Stehgreif Fragen zu stellen ist erstmal schwierig für mich.

Mal so grad ganz aktuell:

An was macht Du Leute fest die Du magst/nicht magst?

Mein Sohn mag zum Beispiel abgöttisch seine Kinderärztin und auch seine neue Lehrerin.Beides Leute die auf mich freundlich aber auch sehr bestimmend,fast schon herrisch wirken.

Braucht er dann sowas?Eine feste Hand?



Und eine für mich sehr wichtige Frage:Bald steht Silvester an.Mein Sohn hat panische Angst vor diesem "lauten".Er sagt er hat keine Angst vor den Knaller,aber dieses Laute mag er nicht(Auch ANgst vor Ballons,könnten platzen)

Hast Du das auch?Wenn ja,warum?



So,das erstmal.Ich denke viele Fragen ergeben sich aus dem Schreiben heraus.Also einfach mal loslegen...

LG Tina
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Domino

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2

Montag, 4. Oktober 2010, 08:32

Huhu Tina,

macht nix, frag einfach. Ich denke auch, das meiste ergibt sich ;)

Zu Frage 1: Woran ich das festmache? Hmmm... das ist nicht einfach. Ich schaue oft, wie sehr ein Mensch bereit ist, sich auf mich einzulassen und mich anzunehmen. Wenn mir von Anfang an Skepsis oder Desinteresse entgegengebracht wird, dann brauche ich unter Umständen sehr lange, bis ich zu diesem Menschen Vertrauen fasse.
"Wir" mögen nicht beobachtet werden. Wenn mich jemand beobachtet, werde ich ihn nicht mögen. Auch, wenn es freundlich gemeint ist, weil den Beobachter etwas an mir interessiert.
Ob "wir" eine "starke Hand" brauchen, kann ich so nicht sagen. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn jemand weiß, wo es lang geht - gerade bei kleineren Kindern, die noch nicht die Lebenserfahrung haben wie Leute in unserem Alter, kann das enorm helfen. Wir haben eine andere Wahrnehmung und verstehen vieles nicht, was für normale Menschen selbstverständlich ist - bestimmte Gesten, "Sprücheklopfen", Ironie - das kann alles schnell falsch verstanden werden. Deshalb fühlen wir uns eher zu Leuten hingezogen, die "Plan haben" und uns ein bißchen führen können. Und die uns was vom Leben erzählen. So können wir einen Eindruck bekommen, wie die Welt gemeint ist und funktioniert, ohne daß wir es selber (und meist schmerzvoll) ausprobieren müssen.

Angst vor Lautem habe ich nicht unbedingt. Es ist auch nicht der Lärm an sich, der uns Angst macht. Feuerwerk liebe ich zum Beispiel. Aber vor Luftballons habe ich immer noch Angst und das wird auch nicht mehr weggehen. Wovor wir Angst haben, ist das Unberechenbare. Ein Feuerwerk knallt oder fliegt hoch, aber man weiß nie genau, wann es das tut. Ein Ballon kann platzen, ohne daß man damit rechnet (gerade beim Anfassen ist das besonders schrecklich, wenn uns so ein Ballon in den Händen zerplatzt - Hilfe!!). Auch das Zerplatzen von Brötchentüten (in der Schule ein beliebtes Pausenspiel...) habe ich gehasst - es passierte einfach so, ohne Vorwarnung. Türenknallen - oder wenn der Wind ein Fenster zuschlägt - uuuaaaahhhh!!!! Aber ich mag es z.B. auch nicht, wenn der Lütte mit seiner Pistole Plastikkugeln durch die Gegend schießt. Auch wenn er mich dabei gar nicht trifft, sondern die Kugel 3 cm neben mir langfeuert.
Wir mögen nichts Plötzliches. Wir möchten planen, alles vorhersehen, alles schon vorher wissen, damit wir uns darauf einstellen können. Da geht ein Knall, ein Schuß, ein Türenklappen gar nicht!
Daß Dein Sohn Angst vor dem Lärm hat, würde ich damit erklären, daß er den Schreck damit verbindet.
Für Silvester kannst Du mit ihm "üben" - und zwar mit Knallerbsen! Das hat bei mir ganz prima funktioniert. Schenk ihm eine Schachtel Knallerbsen, die gibts das ganze Jahr über und sie sind auch für Kinder zugelassen. Sie sind nicht sehr laut - und er kann damit üben, wann es knallt. Nämlich dann, wenn er drauftritt - oder so ein Teil auf den Boden oder gegen eine Wand feuert... damit hat er eine gewisse Kontrolle über den Zeitpunkt. Und damit auch über den Effekt an sich: er kann es vorhersehen bzw. selbst bestimmen. Und somit wird die Angst davor vermutlich verschwinden.
Wenn er an Silvester trotzdem Angst hat (wovon ich ausgehe, das geht nicht in 3 Minuten weg) - hast Du irgendwelche Lärmschutzmaßnahmen für ihn, z.B. Ohropax oder Teddykopfhörer? Oder bleibst Du mit ihm drinnen?
Übrigens haben wir in der Regel ein hochsensibles Gehör. ;)
Liebe Grüße von Julia!

Totostina

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3

Montag, 4. Oktober 2010, 13:14

Huhu

Schon mal vorab:Danke Dir!



Das feine Gehör kann ich bestätigen,das haben wir hier auch.Ohrstöpsel habe ich für dieses Jahr schon besorgt.Drin bleiben wir eh.Aber auch da war bisher das Geschrei immer sehr gross und panisch!

Das mit dem Planen und allem kann ich auch nachvollziehen.Alex hatte zum Beispiel riesen Angst vor der Fahrt an die See.Als sie überstanden war,war es nicht mehr der Rede wert.

Aahh,bin jetzt grad so am Sprung.

Melde mich wieder.



Wie gehst Du denn heut so mit Dir selbst um?Was hättest Du Dir als Kind von Deiner Mama gewünscht wenn es die Diagnose schon gegeben hätte?



LG Tina
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4

Montag, 4. Oktober 2010, 14:56

Hm, wie ich mit mir selbst umgehe?
Ich bin mir der ganzen Geschichte sehr bewußt, und so bewußt gehe ich mit mir um. Ich weiß inzwischen ziemlich genau, auf welche Situationen ich so reagiere, daß es für andere merkwürdig erscheint. Ich mag zum Beispiel nicht telefonieren (es sei denn in der Firma, da macht es mir nichts aus - da bin ich halt "die aus der Elektronik-Abteilung" und spreche dann nicht für mich persönlich, sondern für die Abteilung). Und ich mag nichts tun, was ich noch nie getan habe und es schauen mir gleich beim ersten Mal fremde Leute zu, die diese Tätigkeit schon beherrschen. Das nur so als Beispiele.
Wenn ich weiß, daß ich demnächst in eine solche Situation kommen könnte, dann mache ich alles, um sie zu vermeiden. Wenn ich das nicht kann, dann drehe ich mich um und gehe weg. Oft habe ich aber vorher die Gelegenheit, meine Mitmenschen zu informieren, daß das passieren könnte.

Was ich mir als Kind gewünscht hätte? Oh, eine ganze Menge :D Leider ist meine Mama in dieser Hinsicht ziemlich unsensibel. Bevor sie mit mir zu einem Arzt gegangen ist, mußte ich schon sehr tot sein. Vielleicht hätte es dann eine Diagnose gegeben. So war ich halt immer nur "sehr speziell", "ein bißchen spinnert" oder was auch immer für schöne Redewendungen dafür erfunden wurden.
Wenn sie die Diagnose gekannt hätte, hätte ich mir gewünscht, daß sie sich mehr in mich hineinversetzen könnte. Mir war es aufgrund des (unbewußt wahrgenommenen) "Anders-Seins" z.B. sehr wichtig, daß ich als "ICH" rüberkomme. Heißt, daß ich mich in meiner Haut wohl fühle. Daraus wurde leider nur selten was: Meine Mama hat mich in die Klamotten gesteckt, die SIE schön fand und hat mich nur das machen lassen, was SIE gut fand, ohne dabei auch nur zu ahnen, wie es MIR dabei ging.
Ich erinnere mich noch daran, daß ich einmal eine neue Brille bekommen sollte. Also nicht irgendeine Hose, die man einmal in der Woche anzieht und dann in die Wäsche steckt, sondern ein gegenstand, der täglich die meiste Zeit sichtbar an mir dran ist. Ich wollte ein Gestell in schwarz. Wie, schwarz? Kommt nicht in die Tüte, ich sei ja noch ein Kind und ein Mädchen dazu! Letztendlich wurde es eine rosafarbene Brille, die ich dementsprechend gerne tragen mochte :S Dann hatte ich sie, und einen Tag später oder so waren wir eingeladen, bei einer Freundin von meiner Mama, wo auch ganz viele fremde Leute kommen sollten. Ich wollte die doofe Brille nicht aufsetzen, ich gefiel mir damit nicht. Schließlich tat ich es doch, unter Androhung von Prügel, Lieblingsspielzeug wegnehmen und was genervten Eltern sonst noch alles einfällt. Den Tag bei der Freundin von meiner Mama verbrachte ich UNTER dem gedeckten Tisch!!! Ich hatte mich dort verkrochen, wollte niemanden sehen und mit niemandem reden. Als meine Mama dann den Heimweg antreten wollte, kam das Schlimmste - ich mußte mich nun vor allen zeigen. Auf die Frage, warum ich denn den Tag unter dem Tisch verbracht habe, antwortete sie dann für mich: "Naja, manchmal spinnt sie halt ein bißchen." Selbst antworten konnte ich in diesem Moment sowieso nicht, ich hätte kein Wort rausgekriegt.

Bitte erspare Deinem Kleinen solche Situationen - wirst Du sicher tun, Du informierst Dich ja reichlich und umfassend, wie es aussieht ;)

Und ich hätte mir mehr Rückendeckung gewünscht. Manchmal kam ich heulend von der Schule oder vom Spielplatz nach Hause, weil mich irgendwer geärgert hatte und ich mich nicht wehren konnte. Wenn man sprechen möchte und es nicht kann, dann ist das nicht witzig. Ich habe dann meiner Mama gesagt, was passiert ist und ob sie nicht mal mit der Mama von XY oder mit XY selber reden kann. Nein, war ihre Antwort, das müßten wir Kinder schon unter uns selbst ausmachen - und außerdem hätte ich doch bestimmt etwas getan, das den Streit überhaupt erst provoziert hat!
Na toll :S

Übrigens: vor Urlauben, Dienstreisen etc. habe ich immer noch Angst. Vor allem, wenn ich alleine unterwegs bin. Mit Ronny zusammen kann ich einen Plan machen, was wir alles unternehmen möchten und wer wann was tut, und er hat auch einen groben Überblick über die Sachen, die wir mitnehmen wollen. Er ist ein hervorragender Planer und das gibt mir sehr viel Sicherheit.
Bei Dienstreisen kann ich aber überhaupt nix planen - und, was ganz schlimm ist, wer checkt mich im Hotel ein, wer stellt mich vor, wer fragt für mich, von wann bis wann es Frühstück gibt? Manchmal kann ich es wunderbar alleine. Manchmal überhaupt nicht - das hängt dann ab von der Tagesform, ob die beteiligten Menschen mir sympathisch sind und von vielen weiteren Winzigkeiten, die ich meist selbst nicht kenne oder nicht in Worte fassen kann.
Liebe Grüße von Julia!

Totostina

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5

Montag, 4. Oktober 2010, 15:57

Huhu

Puh,das ist echt viel Input.

Aber ich erkenne meinen Sohn da wieder.

Solche Sachen wie bei Dir mit der Brille sind hier auch schon passiert.Natürlich für mich total unvorbereitet(Beim Schuhe kaufen z.B.)Da "muss" ich dann diskutieren warum jener Schuh und nicht dieser(denn ICH als hässlich empfinde).

Aber mittlerweile bin ich da abgehärtet.Letztens habe ich mich in den Deichmann gesetzt und halt erstmal diskutiert.Mittlerweile macht mir dieses nichts mehr.Es gab schon Sitiationen wo es unpassend war.Aber ist mir mein Sohn unpassend?Nö!



Weisst Du was mir immer Sorgen macht?Jetzt in der Schule.Wie bei Dir,man wird halt mal geärgert(mal harmlos,mal auch ernst)Wird er sich wehren?Obwohl ernicht auf den Mund gefallen ist,ist er zu anderen so sanft und sensibel.Ich möchte nicht das er Ärger anfängt,aber wehren darf man sich,finde ich.



War die Woche bei der Kinderärztin.Die Logopädie läuft nun aus(noch 5 Wochen) und die Heilpädagogik zu Ende November.Man möchte es jetzt mit Motopädie,sprich Bewegung und noch 2 Kindern dabei,ausprobieren.Mein Sohn hat in diesem einem Jahr Riesenfortschritte gemacht,aber wir sind noch lange nicht fertig.Auch soll ich versuchen irgendeinen Sportverein anzustreben.Bist Du auch motorisch recht grob?(Nicht persönlich nehmen,bin nur neugierig)



Warst Du eine gute Schülerin?Man prophezeit mir natürlich schriftliche Bestnoten und mündliche Tiefs,wie soll es auch anders sein.



LG Tina
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6

Dienstag, 5. Oktober 2010, 10:16

Huhu Tina,

nein, ein Grobmotoriker bin ich überhaupt nicht. Ist doch nicht schlimm, daß Du diese Frage stellst ;) Ganz das Gegenteil ist bei mir der Fall: ich bin ein absoluter Feinmotoriker mit "Zauberfingern", spiele ja tausend Instrumente und male und bastel unheimlich gerne, mache Modellbau und so. Erst vor kurzem wurde mir gesagt, daß ich eine besonders ausgeprägte Feinmotorik habe und daß ich nicht davon ausgehen darf, daß jeder so mit seinen Händen umgehen kann. Ein bißchen hapert es allerdings bei der groben Motorik an sich, meine Körperwahrnehmung ist gerade erst dabei, eine solche zu werden. Früher war ich wohl reichlich ungeschickt, auch wenn ich das immer irgendwie kompensieren konnte. Grundfertigkeiten wie z.B. auf einem Kantstein balancieren war kein Problem - kaum kam der Schwebebalken in 50 cm Höhe beim Sport dran, ging gar nichts mehr. Auch einen Ball werfen und fangen konnte ich - zu Hause oder auf dem Spielplatz - beim Basketball war ich dann diejenige, die als letzte in eine Mannschaft gewählt wurde, da man mir den Ball sofort wieder abnahm und wenn ich ihn denn mal hatte, traf ich garantiert nicht den Korb. Bockspringen und Rückwärtsrolle am Reck kann ich bis heute nicht...
Und als diese Hula-Hoop-Reifen modern waren, hatte ich natürlich auch einen und konnte ihn auch um meinen Bauch kreisen lassen, aber ich wurde mehr als einmal dafür ausgelacht, weil ich wohl ziemlich plump damit wirkte.
Ich arbeite selber dran, daß das alles besser wird - und ich denke, daß zunehmende Lebenserfahrung da durchaus hilfreich ist.

Daß Die die Situation mit der Schule Sorgen macht, kann ich nachempfinden. Klar wird Dein Sohn geärgert werden, wird das nicht jeder? Und ich wünsche ihm, daß er lernt, sich zu wehren - auf seine Art. Wenn er Dich dabei um Hilfe bittet, solltest Du sie ihm nicht verweigern, auch wenn er dadurch vielleicht nicht so "selbständig" ist wie andere Kinder, die sich mit Worten und Taten selber wehren können bzw. es nach und nach lernen. Es mach auch Sinn, in einer solchen Situation die Eltern anderer Kinder auf Deinen "besonderen" Sohn hinzuweisen. Er ist in dem Moment keine Petze, sondern sucht Hilfe bei Dir, weil er sich selbst nicht wehren kann.
Wehrt er sich denn auch bei Dir, wenn ihm etwas nicht gefällt?
Auch das Wehren kann man übrigens üben: Es reicht in den meisten Fällen, wenn er in der Lage ist, quasi als Reflexhandlung ein lautes "ey, hör mal auf!" von sich zu geben. Auch, wenn es ganz schwer sein kann, das in bestimmten Situationen (wenn man sowieso schon angegriffen ist) über die Lippen zu kriegen. Es macht aber vieles leichter, wenn man es als Reflex beherrscht, dann muß man sich nämlich über das Sprechen keine Gedanken mehr machen.
Ist dein Sohn zu anderen auch sanft und sensibel, wenn sie ihn ärgern?
Weißt Du, wie ich mich früher gewehrt habe? Erstmal gar nicht - schön den Ärger reingefressen und vielleicht zu Hause dann ein bißchen geweint - aber wenn mich jemand zu sehr drangsaliert hat, dann habe ich ihn gebissen. Sprechen ging nicht, aber Beißen - das war meine Art zu reden.

Ja, ich war eine gute Schülerin, zumindest für meine Verhältnisse. Schriftlich 1, mündlich 5 - mehr als eine 3 konnte da ja nicht draus werden, zumal das Mündliche bei uns zu 60% in die Note einging, was ich bis heute unfair finde. Es gab ein paar Fächer, da konnte ich so überzeugen, daß ich eine 1 bekam (Englisch und Musik, später Mathe).
Was Du als Mutter nicht sehen wirst, ist das Verhalten bei der mündlichen Mitarbeit in der Schule. Deshalb würde ich Dir raten, mit der Lehrerin diesbezüglich in engem Kontakt zu bleiben.
Bei mir war es so: in der Grundschule wurde sehr viel auf Routine aufgebaut. Wenn Vorlesen oder Kopfrechnen oder etwas in dieser Richtung dran war, dann kam jeder der Reihe nach dran und auch ich konnte zum vorbereiteten Zeitpunkt eine Antwort geben. Wenn wir Wörter nach dem Alphabet sagen sollten, konnte ich z.B. anhand der Reihenfolge ausrechnen, daß jetzt Timo dran ist und ein Wort mit B sagt, dann muß ich ein Wort mit S sagen. Und das konnte ich mir ja bis dahin überlegen, um es möglichst stotterfrei und normal rüberzubringen. Oder beim "Türmchenrechnen", da wußte ich, ich bin bei Aufgabe 7 dran und konnte dann flüssig mein Ergebnis vortragen.
Schlimm wurde es in der 5. Klasse. da gab's nix mehr mit Reihe und Aufsagen, da mußte man sich melden oder wurde drangenommen. Keine Meldung = keine gute Note. Freiwillig melden stand bei mir nicht zur Debatte, also wurde ich zwischendurch mal so aufgerufen. Und dann passierte es: Ich wurde knallrot, konnte wenn überhaupt die Antwort nur stottern oder sehr schnell in einem einzigen Satz rausbringen, und wenn ich nach endlosen Sekunden endlich fertig war, zog ich mich auf meinem Stuhl ganz dicht an den Tisch heran und hielt mich mit beiden Händen an der Tischplatte fest. Erst nach einigen Minuten fing ich dann an, mich wieder zu entspannen und normal zu atmen.
Das haben meine Klassenkameraden auch bemerkt und sich lange drüber lustig gemacht.
Übrigens mochte ich mich auch nicht melden, um zu fragen, ob ich mal zur Toilette darf. Lieber hab ich mir in die Hose gemacht - kein Witz, das ist zweimal passiert. Und als mir einmal während des Unterrichts total schlecht wurde, habe ich den Ärmel meines weißen Pullis vollgekotzt. Das war mir lieber, als zu fragen, ob ich mal raus darf! Als in der Pause ein Klassenkamerad fragte, warum ich denn meinen Pulli vollkotzen würde, konnte ich nur mit den Schultern zucken.

Meine Lehrer haben sich zwar drüber gewundert, daß ich nichts sage und schriftlich alles weiß - aber ich wurde oft nur dumm angemacht von wegen "du weißt doch die Antwort, warum sagst du sie nicht" - na toll, darauf konnte ich erst recht keine Erklärung geben.
Als wir mal Referate halten sollten und ich mich freiwillig für den ersten Vortragstermin gemeldet habe (damit ich es möglichst schnell hinter mir habe!), ging ein Raunen durch die Klasse, aber es war unfreundlich, als ob man wissen wollte, was ich für Drogen genommen hätte, daß ich mal freiwillig den Finger hebe.

Ich denke auch, daß ein verantwortungsvoller Lehrer meine Mama drauf angesprochen hätte. Leider waren die ganzen Lehrer alle kurz vor der Rente - hatten also dementsprechend wenig Ahnung von solchen "modernen Erscheinungen" wie Mutismus etc. und somit war ich halt nur ein Sonderling, ein Spinner, etwas Seltsames. Deinem Kleinen wird es in dieser Hinsicht sicher sehr viel besser gehen. :thumbup:

Übrigens war Klamotten/Schuhe kaufen (oder eine neue Brille aussuchen...) ein Horror für mich, da ich mich gegen meine auch sonst sehr dominante Mama nicht durchsetzen konnte. Ich wollte ja das haben, was MIR gefällt! Irgendwann ist sie einfach dazu übergegangen, mir Klamotten mitzubringen, die mußte ich dann anziehen und damit basta. Als ich 13 oder 14 war, wurde ihr das zu bunt. Ich sollte mir meine Sachen selbst kaufen, ich bekam entsprechend mehr Taschengeld - mußte dafür aber auch alleine losgehen, denn auf das Theater hatte sie keinen Bock.
Liebe Grüße von Julia!

Totostina

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7

Mittwoch, 6. Oktober 2010, 15:48

Huhu

Also Grobmotorisch ist mein Sohn auf jeden Fall.Man sieht es jetzt an den kleinen Hausaufgaben.Aber wir üben halt,so kriegen wir das halt hin.Superordentlich schreiben wird er wohl nie...was nicht weiter schlimm ist.

Sportmässig ist er auch eher "ungelenk".Das ist aber nur meine Einschätzung.Was er sehr gut beherrscht ist sein Fahrrad,also da staune ich immer wieder.

Bei Streitereien unter Kindern verhielt sich mein Sohn eher ruhig.Er lässt es sich gefallen und ist dann zur Erzieherin hin.Natürlich ist das "petzen" für die anderen.Aber selbst wehren würde er nicht.Wenn sowas war,habe ich an seinem Verhalten bemerkt "Es ist was",ich wusste er kommt damit zu mir und erzählt es mir.Er musste es meist wohl eher "für sich" verdauen(so mein Gefühl),nach halben Nachmittag erzählte er es mir dann,unter Tränen meist.Wenn ich dann sagte "Ich spreche mal mit Maria(Erzieherin)",wollte er es immer erst nicht,aber am nächsten Tag im Kiga morgens bat er mich doch drum.Es war eine Erleichterung für ihn wenn es raus war.

2 mal musste sich ein Kind entschuldigen.Aber dann ist mein Sohn recht bockig und "mag" denjenigen nicht mehr.Passt zu Deiner Aussage,finde ich!Andererseits kann ich ihn da verstehen.Einmal wurde er gebissen bis er blutete...da würde ich auch nicht mehr mit spielen.



Ich glaube mein Sohn hat den grossen Vorteil das wir um den Mutismus wissen,jegliche Therapie in Anspruch annehmen und auch Erzieherinnen bisher und auch Lehrer Hand in Hand arbeiten.Seine Lehrerin meinte auch schon,sie hatte schon eine Mutistin die ein "schlimmerer" Fall war als mein Sohn.In der Schule gibt sich mein Sohn wie ein "Normalo".Er meldet sich sogar von sich aus.Aber nur im Unterrishct.In der Pause,unter Kindern,ist er überfordert.Er hat ein paar Mädchen mit denen er spielt,weil ihm die Jungs einfach zu laut sind.

Mit Anziehsachen war mir noch sie bewusst.Er ist ja nun erst 6.Das meiste kauf ich ja und es wird angezogen.Bei Schuhen muss er ja dabei sein.Aber grade weil er erst 6 ist kann ich das recht gut lenken(noch*g*)Und da mir mein Sohn nicht peinlich ist,diskutiere ich auch vor Fremden im Laden.



Also er kann sich meiner sicher sein.Und ich denke,er weiss das auch.Aber grade eine Therapeutin meinte letzte Woche zu mir,ich solle ihn mehr in die Welt schubsen,selbstständig werden lassen.Unsere Bindung wäre so fest.Ich finde nicht,das es nur negativ ist.Über diese Worte denke ich momentan aber noch viel nach!Das ist noch nicht gesackt bei mir.



So,das erstmal wieder.

LG Tina
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8

Donnerstag, 7. Oktober 2010, 08:28

Huhu Tina,

genauso wie Du das verhalten Deines Sohnes bei Streitereien beschreibst, ging es mir auch, und oft geht es mir noch immer so. Allerdings mit dem Unterschied, daß ich mich kaum noch streite :D
Dieses Hineinfressen und nicht-drüber-reden-wollen scheinen wir gemeinsam zu haben. Es ist für uns sehr schwer, darüber zu reden. Jemand hat uns schließlich etwas getan und das müssen wir dann quasi noch einmal durchleben, wenn wir davon erzählen. Und wir wollen niemanden damit belasten, wir machen das lieber mit uns selbst aus. Wenn uns jemand allerdings die Klärung der Sache abnimmt, freuen wir uns später doch.
Oder, wenn es halt gar nicht geht, wehren wir uns körperlich - wie ich mit dem beißen.
Entschuldigungen nehmen wir allgemein nicht gerne entgegen und wir vergessen NICHTS, was zu uns gesagt oder uns angetan wurde. Wenn man mir weh tut, dann ist es mit einem einfachen kleinen Wort nicht getan, und erst recht nicht, wenn ein Lehrer oder Erzieher es noch verlangen muß. Da stimmen die Verhältnisse nicht! Und um Menschen, die uns etwas tun, machen wir einen großen Bogen.
Übrigens haben wir ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl - auch, was andere Menschen betrifft.

Mein Fahrrad beherrsche ich übrigens auch sehr gut, obwohl ich sonst eher ein Tapsbär bin. Ein Fahrrad ist ja ein "Bewegungs-Hilfsmittel", es bewegt sich für uns. Das mögen wir. Und wir mögen gerne fühlen, wie es ist, bewegt zu werden. Es ist für uns einfacher, etwas zu bewegen, als uns selbst zu bewegen.
Zu Bewegungsmitteln gehören natürlich auch Schaukeln, Karussells aller Art etc... mag Dein Sohn das auch so gerne?
Viele Asperger-Kinder schaukeln auch gerne mit dem Körper hin und her, einfach weil sie das Gefühl gerne mögen.
Ich habe schon immer Fortbewegungsmittel aller Art geliebt, als Kind ging es los mit Dreirädern, Rollern und Kettcars, dann folgte das Fahrrad und ein großer Tretroller, mit 11 Jahren baute ich mir aus einem alten Puppenwagen eine Seifenkiste, bis ich schließlich mit etwa 12 Jahren das Fahrradbasteln anfing. Mit 16 konnte ich im Griechenland-Urlaub ganz intuitiv Motorroller fahren, auch das Auto war nie eine Schwierigkeit.
Da darfst Du Dich bei Deinem Kleinen wohl noch auf einiges gefaßt machen ;)

Schön, daß es mit der MItarbeit im unterricht klappt! :thumbup:
Das mit den Pausen kenne ich auch. Ich mochte auch nie auf andere Kinder zugehen. Das Extremste war die Sache mit der Einladung (da war ich in der 1. Klasse) - ich wolte zwei Klassenkameraden zum Geburtstag einladen. Die Einladungen habe ich 2 Wochen vorher geschrieben und mitgenommen, aber ich habe mich nicht getraut, sie den Kindern zu geben! ich habe es ja versucht - habe die Karten genommen, habe mich den Kindern genähert - und dann wurde mir heiß und kalt und schwindelig und ich habe es dann gelassen. Ich glaube, ich habs dann unter sehr viel Überwindung einen Tag vorher geschafft.

Hm, die Aussage der Therapeutin finde ich auch ein bißchen merkwürdig. "In die Welt geschubst werden" ist das, was wir als als Letztes wollen.
Und ich denke, eine feste Bindung zu den Eltern ist sehr wichtig - wir brauchen jemanden, auf den wir uns 200%ig verlassen können!
Wobei man "Selbständigkeit" erstmal definieren muß. Was genau sollte er denn nun langsam alleine machen? Er kann ja auch erstmal anfangen, Dinge zu tun und dabei von Dir begleitet werden. Das macht ihn sicherer, als wenn Du ihn alleine losschickst.
Meine Mama hat mir ganz früh gewisse Dinge beigebracht, z.B. alleine einkaufen gehen (da war ich vielleicht 5 oder 6). Der Weg zum Laden dauerte etwa 7 Minuten. Ich bakem Geld mit und durfte mir einen Einkaufszettel schreiben, und dann zottelte ich los und brachte die 3 Sachen mit. Dann war ich immer stolz wie Oskar! Natürlich hat sie vorher mit mir geübt, wie das geht mit dem Bezahlen und so. Bis sie meinte, ich kann es alleine. Nun war es damals alles noch ein bißchen kleiner und gemütlicher, der Laden war klein, die Verkäuferinnen kannten mich...
Weitere Wege in die Selbständigkeit sind z.B. Schultasche alleine packen, alleine zur Schule gehen, sich mit Freunden verabreden und dann alleine dort hingehen und so. Oder sich morgens alleine die Sachen zum Anziehen raussuchen.
Wie gesagt, frag mal bei der Therapeutin, was sie genau meinte.
Übrigens ist Selbständigkeit auch ein Problem bei völlig normalen Kindern. Glaub mal nicht, daß unser Lütter das alles kann! Einkaufen - nur unter Protest. Schultasche packen - hat er 2 Jahre lang geübt, es gab tägliche Kämpfe mit seiner Mutter (was ist daran nur so schwer??). Sich verabreden - nur auf Anweisung, "ruf doch jetzt endlich mal bei Jan an, wenn Du mit ihm spielen willst!"... Aufräumen geht gar nicht, er weiß nie, wo er was hinsortieren soll -obwohl es völlig klar ist, da er für alles Kisten und Schubladen hat. Und an seine Tasche mit den Klamotten, die er wieder mit nach Hause nehmen muß, denkt er überhaupt nicht.

Deine Therapeutin darf dabei nicht vergessen, daß Dein Sohn gerade erst in die Schule gekommen ist und vieles noch gar nicht können kann oder muß. Er ist noch klein und wird vieles sicher beim Spielen lernen. Die Schule ist der erste kleine Weg in die Selbständigkeit und Unabhängigkeit!
Liebe Grüße von Julia!

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9

Donnerstag, 7. Oktober 2010, 19:36

Huhu

Das mit den Fortbewegungsmitteln kann ich bestätigen.Sein Interesse an Autos und wie sie funktionieren übersteigt da manchmal selbst mein Wissen.

Kettcar,Roller und alles haben wir da und wird auch beherrscht.Da gebe ich Dir Recht.



Im Grossen und Ganzen kann ich mich gut in ihn hineinversetzen.Nur manchmal kommen so überraschende Sachen wo ich dann auch erstmal schalten muss.

Mir graut es am meisten nun vor Silvester.Das war letztes Jahr von 22 Uhr bis etwa 3 Uhr nachts ein einziger Heul und Schreikrampf.Ich konnte ihn nicht beruhigen.Und ein schönes,kleines Silvesterfest war somit kaputt(auch für ihn)Nach dem Fondue ging nichts mehr!Und es tat mir so leid,für alle.Er ist ganz zum Schluss vor Erschöpfung eingeschlafen!



Gerecht ist mein Sohn auch sehr.Besonders kleineren gegenüber.Im Kiga war er immer der Samariter.Wenn jemand fiel und blutete,holte er die Erzieherin im Galopp.Und lügen kann er auch nicht.Lieber sagt er die Wahrheit und riskiert schon mal Ärger bevor er lügt.(Ein Vorteil für mich*g*)

Sprüche und Redewendungen versteht er auch nicht bzw nimmt sie wörtlich.Manchmal schon schwierig,manchmal schon süss.

"Eine Hand wäscht die andere" "Ja Mama,macht man doch immer so,anders geht es ja nicht"



In die Welt geschubst...sie meint damit die Abnabelung von mir!Also einkaufen kann ich ihn nicht schicken.Erstmal hier Hauptverkehrsstrasse und 2. spricht er ja nicht.Er kann sich am Kiosk hier kein Eis bestellen.Er legt wortlos das Geld hin.Soweit wie Du damals sind wir noch lange nicht.Ich versuche das immer wieder.Er bezahlt schon mal und nimmt den Bon mit(Zahlen sind sein Ding,draussen wird mir detailliert der Bon vorgelesen)



LG Tina
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Birgitt

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10

Dienstag, 12. Oktober 2010, 18:12

Hallo ihr beiden,

ich oute mich hier mal als stille aber interessierte Mitleserin. :whistling:

Ersteinmal finde ich es prima, dass Tina jede erdenkliche Hilfe für ihren Sohn sucht und anzunehmen bereit ist! So selbstverständlich finde ich das eigentlich nicht, da ich viele Beispiele kenne, wo Eltern leider das Problem ignorieren und das ganze dann zu Lasten des Kindes geht. Es tut mir auch immer wieder leid, wenn ich Menschen treffe, die aus irgendwelchen Gründen total unsicher oder halt irgendwie "anders" sind und daher von anderen abgewertet werden. Leider versuchen nur wenige Menschen, "hinter die Kulissen" zu schauen und zu verstehen.... :(
Ich sehe es wie Tina: Dein Sohn ist noch sehr jung und ihr habt sein Problem sehr früh erkannt.
Ich drücke Euch die Daumen, dass der Kleine mit der Hilfe und Eurer Unterstützung sehr bald besser zurechtkommt!

Mich stimmt sowohl die Geschichte von Tinas Sohn als auch die Schilderung von Julias Kindheit traurig...

@ Julia:
Hut ab von mir dafür, dass Du hier so offen und ehrlich Aufklärungsarbeit betreibst!
Sicher ist es für Tina und ihren Sohn sehr hilfreich, aus Sicht einer selbst betroffenen Person Ansichten und mögliche Wege aufgezeigt zu bekommen.
Bestimmt ist es für Dich nicht einfach, teilweise die schwierige Vergangenheit noch mal kurz wieder aufleben zu lassen, indem Du von Deinen Kindheitserlebnissen berichtest...
Aber ich denke, dass es für Tina einiges klarer macht und ihr weiterhilft.

Darf ich mal eine kurze Zwischenfrage einschieben in Euer Thema?
Julia, Du hattest geschrieben, dass es Dich verunsichert, wenn Dich Fremde anstarren oder beobachten...
Mich interessiert, wie das ist, wenn Du auf der Bühne stehst!
Ist da für Dich alles andere ausgeblendet und Du machst nur, was Du magst und gut kannst? Oder siehst Du das Publikum trotzdem???

LG
Birgitt

Totostina

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11

Dienstag, 12. Oktober 2010, 19:05

Huhu

Ich finde hier darf doch jeder seinen Senf dazu geben :P



Es ist wie Du schreibst,Birgitt.Viele Gedangengänge meines Sohnes kann ich oft nicht nachvollziehen.Es tut dann gut aus erwachsener Sicht(Mein Sohn kann sich ja noch nicht erklären wie er mag)das Thema geschildert zu bekommen.



Deine Frage finde ich auch sehr interessant.Schiebe noch welche hinterher.Wann hat man denn bei Dir die Diagnose gestellt?Wurdest/Wirst Du therapiert?Wenn ja,wie?



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12

Mittwoch, 13. Oktober 2010, 09:49

Moin,

erstmal kurz zum "Wörtlichnehmen": Das ist bei uns einfach so, da wir viele "soziale Spielregeln" erst durch Lernen verstehen. Dazu gehören auch Redewendungen oder Sinnbilder. Ganz gefährlich ist Ironie, damit kann man gerade ein Kind, das noch nicht so viel Lebenserfahrung hat, schrecklich verletzen.
Wir haben oft auch ein anderes Humorempfinden, eben durch diese Art zu denken. Ein Beispiel sind diese widersprüchlichen Packungsaufschriften, z.B. steht auf der Unterseite eines fertigen Schokodesserts "nicht umdrehen". Ein normales Kind lacht sich schlapp, weil die Anweisung ja in diesem Moment ad absurdum geführt worden ist - wir hingegen sagen: ja, richtig, man soll es nicht umdrehen, sonst kippt ja alles durcheinander. Und damit sind wir fertig.
Du wirst bei Deinem Sohn sicher auch feststellen, daß er sprachlich penibel arbeitet, oder?

Und zu dem Vorschlag mit "einkaufen schicken" oder so - ich hatte ja geschrieben, daß ich in einer schönen kleinen Welt in meinem Stadtteil aufgewachsen bin. Der Supermarkt war klein und die Verkäuferinnen kannten meine Mama und mich. Zum Lidl oder so hätte sie mich nie geschickt und ich wäre auch nie hingegangen.
Mit einem Eis am Kiosk habe ich heute manchmal auch noch so meine Probleme. Oder auch wenn ich etwas in einem Laden suche - lieber laufe ich 100 mal durch die Regale, als daß ich mal einen Verkäufer frage.
Wenn es aber einen vertrauten Vorgang in eurer Umgebung gibt, dann kann er diesen ja ruhig mal alleine ausführen. Es muß ja nicht einkaufen sein.
Ansonsten denke ich, daß es zu einer "Abnabelung" noch früh genug kommt und Du das nicht vorantreiben solltest. Dein Sohn braucht ganz dringend Nestwärme und Vertrauen! Meine Güte, der Junge ist 6 Jahre alt, was wird denn bitte von ihm erwartet?! Er wird sicher noch selbständiger werden, wenn er in dieser Hinsicht genug gefördert wird. Diese Förderung geschieht aber auch bei ganz normalen Kindern nicht immer. Es gibt immer Eltern, die ihren Kindern alles aus der Hand nehmen, weil sie es selbst schneller, besser und/oder sicherer können (Beispiel: Hausarbeit - Mutti putzt sauberer, bei Mutti fällt kein Teller runter etc.). Und die beschweren sich dann, daß ihr 13jähriges Kind nicht mal in der Lage ist , den Abwasch zu machen. Woher soll ein Kind das können, wenn es die Tätigkeit nie gemacht hat?

So, dann mal zu der Frage von Birgitt:
Ob ich auf der Bühne stehe, ob ich vor Studenten über die Prüfungsordnung referiere oder ob ich vor 500 Mädchen im Hörsaal hier was über meine Arbeit erzähle: Ich bin mir des Publikums bewußt, aber ich habe keine Angst davor.
Es macht bei mir einen großen Unterschied, ob ich für mich selber spreche oder ob ich "vor" einer Firma, einer Uni, einer Gemeinschaft stehe. Wenn ich auf der Bühne Musik mache, bin ich ein Teil der Band. Wenn ich den Studenten was über die PO erzähle, dann bin ich ein Vertreter der Fachschaft. Wenn ich 500 Mädels was über meine Arbeit erzähle, dann bin ich DESY-Mitarbeiter. In keiner dieser Rollen bin ich nur ich selbst, ich bin immer ein Teil von etwas. Solange ich das bin, macht es mir nichts aus. In dem Moment, in dem ich für mich selber irgendwo stehe, bin ich blockiert.
Wenn zum Beispiel bei jemandem anrufen soll, ist es kein Problem für mich, wenn meine Firma mich schickt. Dann rufe ich halt dort und sage: Hallo, ich bin vom DESY und würde gerne wissen, was XY kostet. Wenn ich das selber für mich tun sollte - niemals! Niemals würde ich mich mit meinem Namen melden und fragen, was XY kostet!
Ich weiß nicht, ob man das so verstehen kann? Es ist schwierig zu beschreiben ;)

Manchmal habe ich die Verbindung zu mir selbst verloren. Ich glaube, damit lassen sich all diese Situationen gut umschreiben.
Übrigens mochte ich bis vor ein paar Jahren meinen Namen nicht. Ich habe mir immer andere Namen gegeben und immer versucht, andere Identitäten auszuprobieren.

Eine Diagnose habe ich vor ca. 3 Jahren bekommen, als ich mit dem Studium fertig war, und das auch nur eher zufällig. Aufgrund der Schilderungen von mir stellte ein befreundeter Psychiater fest, daß in meiner Kindheit Mutismus und Asperger vorlagen und es in Zügen noch erkennbar ist. Ich hätte mich vermutlich nie von alleine untersuchen lassen. Es ergab sich halt so, daß er auf meinen Fall aufmerksam wurde und mich dann fragte, ob ich ihm nicht unter 4 Augen mal mehr erzählen möchte. Ich dachte, es ist vielleicht nicht verkehrt, und habs getan.

Ich wurde nicht therapiert, aber ich habe von dem Freund ein ganz dickes Lob bekommen - dafür, daß ich selbst erkannt habe, was los ist und was die Ursache ist, und wie ich mich langsam dort "rausgearbeitet" habe. :) Eine Therapie war seiner Meinung mnach jetzt nicht mehr nötig, da ich eigentlich gut Bescheid weiß, wie ich wann reagiere und warum.

Wenn ihr Fragen habt, immer her damit! :D
Liebe Grüße von Julia!

Totostina

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13

Mittwoch, 20. Oktober 2010, 21:41

Huhu

Also das mit den Sprichwörtern und Ironie kenne ich nahezu in allen Lebenslagen.

Manchmal schmunzel ich drüber,im nächsten Moment stocke ich,weil ich muss ja auch bemerken,das Sohni es "anders" mitbekommt.



Die Verbindung zu Dir selbst verloren?

Wie meinst Du das?Das Du Dich so von "oben herab" selbst siehst?(So,wie im Film "Ghost")

Erst heute hatte Alex was gesagt,das klang,als ob er selbst sich manchmal zuhört und es im Nachhinein komisch findet....Komme grad nicht auf was,kam da aber auch,mal wieder,ins schmunzeln.

Als ob er sich selbst analysiert und dann auch sagen kann:Ich Dummie,ich.(Sein Wort)



LG Tina
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:DPssst...Schweig Püppchen,Barbie kann auch nicht reden!

Domino

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14

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 08:12

Huhu Tina,

mit "Verbindung zu mir selbst verloren" meine ich nicht, daß ich mich selbst von oben sehe. Es ist mehr so, daß ich nicht weiß, warum ich gerade jetzt so reagiere, und dann fühle ich mich plötzlich komplett anders als sonst.
Beispiel: Ich war letztens mit meinem Schatz in einer Fußgängerzone bummeln, als wir einen Handyladen sahen. Er kam spontan auf die Idee, daß ich doch mal reingehen könnte, um zu fragen, wie lange die Kündigungsfrist für meinen Vertrag ist. Nein, ich wollte da partout nicht rein, ich bekam Angst und wollte auch nicht weiterlaufen. Er fragte dann, ob er reingehen und für mich fragen soll, aber das wollte ich auch nicht. Wobei das ja ein ganz liebes Angebot war und da ja überhaupt nichts Schlimmes bei war.
In solchen Situationen würde ich mich am liebsten zusammenrollen und mich unsichtbar machen. Ich kann aber nicht sagen, was das für Situationen sind und warum ich gerade da so reagiere - offensichtlich können es ja auch ganz banale Dinge sein.

Das mit dem selbst zuhören kenne ich auch. Wir machen das oft - müssen ja schließlich ganz genau wissen, wie das nach außen klingt oder auch, wie es ankommt. Sonst können wir nicht planen, wie unser Gegenüber eventuell etwas aufnimmt. Und planen, voraussehen etc. ist ja ALLES bei uns!
Vielleicht wird Dir irgendwann auffallen, daß Dein Sohn bei einem bevorstehenden Ereignis, das ihm wichtig ist, bestimmte Situationen durchspielt oder Pläne zeichnet. Wenn meine Mama mir früher gesagt hat, daß wir zum Jahrmarkt gehen, dann habe ich alle Fahrgeschäfte notiert, die mir einfielen, und in eine für mich sinnvolle Reihenfolge gebracht, in der ich dann fahren wollte kichern das war dann aber nicht nur ein Zettel, nein, das ging tagelang!
Oder wenn meine damalige Lieblingsband Auftritte hatte und der Sänger (mein Nachbar) mich mitgenommen hat... das war immer eine Aufregung... fahre ich nun wirklich beim Sänger mit oder diesmal doch beim Bassisten? Bringt der seine Söhne wieder mit, und freuen die sich auf mich? Wie werde ich X, Y und Z begrüßen? Welches Stück spielen sie zuerst? Tausend kleine Fragen, die völlig durchgeknallt wirken... ?(
Liebe Grüße von Julia!

Stefanie

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15

Montag, 25. Oktober 2010, 08:59

Hallo Tina,

das mit dem Nicht-reden-und-nicht-fragen kenn ich von Lucas auch. Wir haben es ihm in der Hinsicht erleichtert, dass wir mit kleinen Schritten angefangen haben. Der erste Schritt war ihm Janine an die Seite zu stellen, dann einen Zettel mit dem , was wir haben wollten, in die Hand zu drücken( zB 10 normale Brötchen mit Schlitz und eine Bildzeitung/MoPo) und ihn los zu schicken zu einem kleinen Bäcker. Und mit viel Zeit hat das Ganze geklappt.Heute kauft er ohne Probleme die Brötchen, nur Sonderwünsche notiert er sich noch, auch in den großen Kaufland-Markt hier geht er einkaufen. Einkaufszettel und Geld reichen. Und wenn er nicht weiterweiß, ruft er mich an.Und entweder ich kann ihm sagen, wo er es findet oder aber er fragt eine Verkäuferin. Die Brührungsängste zu Verkäuferinnen/Apothekerinnen etc haben sich gelegt.Geduld zahlt sich aus.
Klamotten und so suche ich auch noch fast vollständig aus.Er sagt mir immer nur, was er grade cool findet( Spongebob, Strass,Totenkopf,schwarz, blau oder was auch immer )
Und was die Selbstsicherheit und so angeht, so wächst sie gut mit. Ich denke, wir sollten nicht vergessen, dass Dein Sohn erst 6 ist und im Moment viele neue Eindrücke verarbeiten muss. Und da ist es gut, wenn er weiß, dass seine Mama ihm einen Platz der Sicherheit bietet und im Rücken steht, wenn dann mal was ist. Da brauchst ihn noch nicht zu schubsen.
Und auch das Verstehen von Witzen und Redewendungen muss man erst mal lernen * ja klar wäscht eine Hand die andere* mensch Tina, völlig normal ;)

Liebe Grüße
Steffi
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16

Montag, 25. Oktober 2010, 11:20

Huhu Steffi,

ein kleiner Zettel - ob selbstgeschrieben oder von Mama - hätte mir damals nicht geholfen. Ich hätte ihn nicht vorgelesen - ich hätte mich nicht einmal getraut, den Zettel einer Verkäuferin in die Hand zu geben!
Ich konnte nur alleine einkaufen gehen, weil die Verkäuferinnen mich kannten. Das war das wichtigste überhaupt, denn sonst hätte ich mich gar nicht erst auf den Weg gemacht. Ich kannte den kleinen Laden, wußte wo was steht, und wenn ich dann meine Tüte Milch auf die Kasse gestellt hatte und der Verkäuferin das Markstück gegeben hatte, dann hat es mir auch gereicht. Ich habe dann freundlich gelächelt, weil ein "guten Tag" oder "danke" nicht gegangen wäre. Und dann bloß schnell nach Hause - meistens mit hochrotem Kopf oder Gänsehaut, wenn die Anspannung weg war :(
Liebe Grüße von Julia!

Stefanie

verrückte Nudel vom Dienst ;)

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17

Montag, 25. Oktober 2010, 11:57

Hallo Julia,

nee, vorgelesen hatte mein Kleiner es auch nicht zu Anfang. Da hat er immer dem/der Verkäufer/in den Zettel in die Hand gedrückt. "Tschüß" oder "Danke" waren bei ihm auch nicht drin.
Zu Anfang standen wir neben ihm, später dann vor dem Laden, dann unten vor der Treppe, dann auf dem halben Weg usw. Ganz viel Übung war das. Auch den Schulweg haben wir so gemacht. Hat viel Zeit und Nerven gekostet.... Aber es hat sich gelohnt.
Janine ist da das komplette Gegenteil.
Ich kann Dich aber verstehen, dass das bestimmt nicht leicht war und bestimmt immer noch manchmal ist.
Dieses "Durchspielen" wichtiger Ereignisse kenne ich aber auch aus eigener Erfahrung, hab ich früher ebenso wie auch heute gemacht. Aber bei mir steht nicht "wie-komme-ich-an-oder-wie-nimmt-man-mich-wahr" im Vordergrund, sondern "immer-auf-alles-vorbereitet-sein" .Nichts hasse ich mehr, als wenn ich unvorbereitet in eine Situation komme, die mir unter Umständen unangenehm sein könnte.

Liebe Grüße
Steffi
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Birgitt

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18

Dienstag, 9. November 2010, 19:02

Huhu,

dann melde ich mich hier auch mal wieder... ;)

Julia, Deine Beschreibung zum Thema: "wie geht das auf der Bühne usw." habe ich - hoffentlich - verstanden.
Ich würde es mit eigenen Worten so erklären: Als einzelne Person kannst Du für Dich selber nicht einstehen und Deine Wünsche nicht äußern, aber der Rückhalt einer Gruppe/Firma, für die Du sprichst, gibt Dir Sicherheit.
Soweit richtig???
Blöde Frage: hat das ganze dann insgesamt auch ein wenig mit Selbstwertgefühl/Selbstbewusstsein zu tun?
Oder eher mit Deiner eigenen Wahrnehmung von Dir selber vor anderen (dass Du lieber in einer Gruppe "verschmilzt")?
Oder ist das ähnlich?

sorry, wenn Dir die Frage zu persönlich oder zu doof ist; ich versuche grad nur zu verstehen...und weiss nicht, wie ich meine Frage anders ausdrücken könnte...

Aber ich denke, im persönlichen Bereich (mit guten Freunden/Partner) zu denen Du Vertrauen hast, da ist das doch anders, oder? Da kannst Du doch (heute?) klare Grenzen setzen?
Kannst Du z.B Deinem Partner klar sagen: "Stopp! Bis hierhin und nicht weiter!" ?(

Schnell wird ja mal jemand abgeurteilt, der seine Wünsche nicht klar äußern kann und sich stattdessen zurückzieht.
Als Außenstehender weiss man da halt wirklich oft nicht: ist er nur schüchtern, oder steckt etwas anderes dahinter...
Ich sehe das ab und zu mal im Kiosk, wo ich zum Kaffeetrinken hingehe. Da legt dann ein Kind ein Geldstück auf den Tresen, und bekommt wortlos seine Portion Pommes...
Würde es da ein stückweit weiterhelfen, das Kind zu fragen "Du möchtest gerne 1x Pommes?". Oder lieber stillschweigend so weitermachen???

Ist nicht einfach...

LG
Birgitt

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19

Mittwoch, 10. November 2010, 16:57

Hallo Birgitt (und alle anderen),

ja, genauso ist es, das hast Du richtig verstanden. Für mich selber sprechen fällt mir sehr schwer. Eine Gruppe oder Institution vertreten hingegen ist nicht schwer für mich, denn da bin ich ein Teil davon. Diese ganze Gruppe steht hinter mir, wenn ich für sie oder in ihrem Namen spreche.

Sicher hat das ganze auch mit Selbstbewußtsein zu tun. Mit Selbstwertgefühl weniger.
Selbstwertgefühl entsteht (meiner Meinung nach), wenn das, was man tut, geschätzt und anerkannt wird. Wenn ich mich unter solchen Leuten befinde, z.B. mein Schatz, meine Band, meine Kollegen oder so, dann kann ich auch ganz frei für mich sprechen. Ja, das geht dann tatsächlich! Weil ich weiß, daß es okay ist, was ich mache. Dazu muß ich aber die Leute einige Zeit kennen und Vertrauen aufgebaut haben.
Selbstbewußtsein ist etwas ganz anderes und daran mangelt es mir sicher in vielen Situationen. "Selbst-Bewußtsein" heißt für mich, daß ich mir meiner selbst bewußt bin. Und das bin ich längst nicht immer. Deshalb hasse ich Situationen, in denen ich nicht abschätzen kann, was passieren wird, wie ich reagieren werde und wie andere auf mich reagieren. (auf MICH - nicht auf die Person von der Firma XY, obwohl es sich um denselben Menschen handelt)

Daß andere Menschen eine völlig andere Wahrnehmung von mir haben als ich selbst - das habe ich schon oft bemerkt.

Wenn ich erstmal zu einem Menschen Vertrauen aufgebaut habe, dann kann ich ganz normal mit ihm umgehen und auch Grenzen setzen. Sowohl für mich als auch für ihn. Das geht mit meinem Schatz, mit meinen Kollegen, mit meinen Freunden allgemein. Inzwischen geht das auch mit meiner Mutter, die mich ja sehr überbehütet hat und von der ich lange Zeit viel zu abhängig war. Ich habe mich nie getraut, ihr ernsthaft Kontra zu geben. Vielleicht mußte ich einfach erstmal raus und weg von ihr - nun klappt mit ihr alles bestens. Allerdings bin ich ja auch nicht mehr ihre "Kleine", die bei ihr wohnt, und muß mich ihr nicht mehr unterordnen (so wie sie es immer verlangt hat).

Das Beispiel mit dem Kind und den Pommes ist nicht einfach. Einerseits wollen wir ja, daß erkannt wird, was wir gerne möchten. Wenn ich morgens zum Bäcker gehe, dann würde ich es großartig finden, wenn er schon weiß, was ich alles einkaufen möchte. Ich müßte dann nichts mehr sagen und würde trotzdem bekommen, was ich haben möchte. So macht es das Kind. In dem Vertrauen, daß der Kioskmann Bescheid weiß, legt es den Euro auf den Tresen und weiß genau, es bekommt jetzt eine Portion Pommes. Großartig, wenn es funktioniert!
Schlimm wäre (zumindest für mich in der Situation):
- der Verkäufer spricht mich an: "Möchtest du eine Portion Pommes haben?" Die Reaktion wäre, daß ich vermutlich nicht mal ein "ja" über die Lippen kriegen würde. Ich würde knallrot werden, eine heftige Gänsehaut bekommen und vielleicht etwas Sinnfreies stottern. Das ganze wäre mir dann so unangenehm, daß es das letzte Mal gewesen wäre - ich würde nicht mehr alleine Pommes kaufen gehen. Entweder bestellt jemand für mich eine Portion, oder noch besser, ich lasse mir welche mitbringen. Vielleicht lerne ich auch ganz schnell, wie man sich selber welche im Ofen macht.
- Plötzlich ist mal ein anderer Verkäufer beim Kiosk, der mich nicht kennt. Ich würde einfach umdrehen. Derjenige, mit dem ich den Code "Euro auf Tresen legen - Pommes bekommen" ausgemacht habe, ist nicht da. Der andere versteht es nicht. Da ich mich aber nicht anders äußern kann, muß ich halt auf die Pommes verzichten.
Das Belohnungsschema (wenn ich mich überwinde und meinen Wunsch äußere, bekomme ich meine Pommes) funktioniert hier nicht, da ich ja sonst auch meine Pommes bekommen habe und diese keine Belohnung darstellen.

Am besten wäre es, das Kind nicht zu fragen und somit zur Aktivität zu zwingen, sondern einfach freundlich zu behandeln: "ach, da bist du ja wieder - du möchtest sicher wieder eine Portion Pommes haben - bitteschön, laß es dir schmecken, und bis zum nächsten Mal!"
Damit wird das Kind nicht zur Reaktion gezwungen (wie es bei einer Frage der Fall wäre), aber es merkt, daß es selbst und sein Wunsch wahrgenommen wird. So besteht eine gute Chance, daß es auf Dauer Vertrauen zum Kioskmann aufbaut und vielleicht irgendwann auch mal selbst andere Wünsche äußern kann, wenn es mal keine Pommes, sondern einen Lolly haben möchte.

Ich hoffe, das war soweit verständlich :)
Liebe Grüße von Julia!

Totostina

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20

Samstag, 4. Dezember 2010, 19:29

Huhu

Gestern nun wurde bei Sohni der IQ-Test angefangen.Eine 2.Sitzung ist nötig.Es war spät für ihn gestern nachmittag und er leicht abgelenkt.

Sie fand nur auf Anhieb das er "vieles" weiss.Bei vielen Fragen steht er sich selbst im Weg.Was auf Anhieb zu schwer erscheint(weil ich muss ja nachdenken) sagt er einfach:"Weiss ich nicht,kann ich nicht"

Er hätte auch erwähnt er versteht in der Schule vieles nicht 8| .Seine Lehrerin am Elternsprechtag und auch seine Hausaufgaben lassen mich nun aber verstehen,er kann sogar viel mehr ?(

Eine Mama eines Mädchens sprach mich die Tage an der Schule an,ihre Tochter hätte so Probleme bei den Leseübungen.(6 kleine Sätze waren als Hausaufgabe da)also eine mündliche Aufgabe.Mein Sohn übt wirklich 3-4 von sich aus.Und er liesst für mein Ohr auch echt gut und schön(und süss)Konnte das also nicht verstehen.



Und mittlerweile merke ich wieder die Ausgrenzung.An der Schule schneiden mich einige Mamas.Die Kinder erzählen wohl das Alex "anders" ist.Hingegen bin ich bei Mamas von Mädchen sehr beliebt Jau MEin Sohn der Frauentyp :love:

Ach ja,was ist das manchmal schwierig.Abe rim Moment ist eine schöne Phase,es macht mir recht wenig aus was andere sagen und denken.

LG Tina
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